Dienstag, 12. Februar 2008

Spätlese im Februar

Was gibt es schöneres, als an einem strahlenden Dienstag Vormittag - Februar-Spätgold, schneefrei - durchs Glockenbachviertel im Herzen Münchens zu gleiten?
Vorbei an Schokolädchen, in denen wohlgewandete junge Frauen mit hektischen Gesichtern für sich "koffeinfreien Cappu! Bitte!" auf Sojamilchbasis bestellen, für die Kleinen ein Babycchino, ...

Vorbei an Interior-Design-Läden, die müssen ja sein- ein Alibileben für die Gattin, seit die Kinder aus dem Haus sind. Meistens sind diese bedauernswerten Damen klapperdürr, tragen eine trendig-kurze Grauhaarfrisur, schrillen Ohrschmuck, schwarzen Rolli, - und wenn sie früher mal verwegen waren, schwarze Lederjeans.
Es muß die Hölle sein, wenn man zu wohlhabend ist für ein erfülltes Arbeitsleben bis 67, aber zu arm, um bei Charity- Events lächelnd so exorbitante Summen zu spenden, daß Aufmerksamkeit sowie Nennung garantiert ist und der Kamm der Nachbarin vor Neid schwillt...

Vorbei an versteinerten Hinterhöfen, in denen dich ein 10jähriges Mädchen mit tief verträumtem Blick und undurchdringlichen Augen bedeutungsvoll fragt: "Guten Morgen, M.! Wie geht es dir? Ich hoffe gut." Sie setzt ihre Worte akkurat, gemessen, wie auf einem offiziellen Empfang. Ein kleines Mädchen von einem andren Stern. "Soll ich meinen Papa von dir grüßen?" - "Ja, gern. Grüß ihn von mir." "Das werde ich tun.Tschüs dann." Sie geht.
In mir fließen Schwermut und Heiterkeit zusammen - das geht gleichzeitig, aber selten.